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Anne Simons' OPC-Artikel, den Wikipedia nicht annehmen wollte

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Was ist OPC? Anne Simons' Artikel, den Wikipedia nicht annehmen wollte

In unserem Blog vom 18.5. haben wir Anne Simons' Stellungnahme zum angeblichen "Wunderstoff im Rotwein" publiziert: Dabei handelt es sich eben nicht um Resveratrol, sondern um OPC.

Da die meisten Rotweine OPC nur in geringer Dosierung enthalten, können die beschriebenen Präventiv- und Heileffekte sehr viel besser - und überdies ohne Alkohol-Nebenwirkungen - erreicht werden, indem man konzentriertes OPC nach dem von Prof. Masquelier entwickelten Verfahren zu sich nimmt.

Aber auch bestimmte Rotweinsorten enthalten OPC in großen Mengen, wie Anne Simons in ihrem Werk Das OPC-Weinbuch erläutert hat.

Wie bereits im letzten Blog angekündigt, bringen wir heute ergänzend den OPC-Artikel von Anne Simons, den sie vor einigen Jahren vergeblich bei Wikipedia zu veröffentlichen versucht hat. Hier finden Sie weitere Informationen auch zum Thema "Rotwein und OPC".

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Oligomere Procyanidine (OPC)

(c) Copyright 2014: Anne Simons / MayaMedia

1948 entdeckte der Doktorand Jack Masquelier an der Universität von Bordeaux in den roten Erdnusshäutchen eine farblose Substanz, die er als oligomere Procyanidine (OPC) identifizierte. Es handelt sich um stabile Verbindungen von zwei, drei, vier, selten fünf Flavan-3-ol-Molekülen (gr.: oligo = einige). Ein einzelnes Flavan-3-ol-Molekül heißt Monomer, zwei miteinander verbundene Monomere sind ein Dimer, drei miteinander verbundene Trimer usw.

Zwar sind Monomere allein biologisch nicht wirksam, als Oligomere (Dimere, Trimere) jedoch durchaus. Sie gehören zu den als Pflanzenstoffe bekannten Polyphenolen und lassen sich in vielen Pflanzen (Obst, Gemüse, Nüssen, Kräutern u.a.) nachweisen, insbesondere in Rinden, Schalen, Blättern, Kernen und Wurzeln.[1] Oligomere Procyanidine finden sich extrem hoch konzentriert in Kakaobohnen und auch in relativ hoher Konzentration im Rotwein, jedoch aufgrund der unterschiedlichen Herstellungsverfahren weniger in Weißwein. (Französische Weinhersteller veröffentlichen traditionell alljährlich den Polyphenol- und speziell den OPC-Gehalt ihrer Weine, etwa in der Fachzeitschrift „Vins et Santé“.)

Der Entdecker Prof. Masquelier

Dr. Jack Masquelier widmete sein Leben der Erforschung von OPC. 1956 wurde er zum Professor auf den Lehrstuhl „Matière Médicale“ in Bordeaux berufen. 1957 wurde er Vizedekan der medizinischen und pharmazeutischen Fakultät, 1963 Professor der Phytochemie an der University of Laval in Quebec und von 1970 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1984 war er Dekan der pharmazeutischen Fakultät der Universität Bordeaux.

Physiologische Wirkung von OPC

Jack Masquelier entdeckte zunächst die Kollagenschutzwirkung von OPC. Aufgrund ihrer proteinaffinen Eigenschaft heften diese Moleküle sich an Proteine und schützen sie so vor Angriffen freier Radikale oder zerstörerischer Enzyme (z.B. Kollagenase, Protease). Das am häufigsten im Körper vorkommende Protein ist, zusammen mit Elastin, ein Gerüsteiweiß, das unterschiedliche Körperstrukturen aufbaut: Bindegewebe, Blut- und Lymphgefäße, Haut, Knochen, Muskeln, Knorpel und Sehnen. OPC heftet sich an deren konstitutive Kollagen- und Elastinfasern und schützt diese Strukturen somit überall im Körper. Es verdoppelt die Kapillarresistenz innerhalb von 24 Stunden, wirkt dadurch der Durchlässigkeit von Gefäßen entgegen und erfüllt Vitamin-P-Funktion.

Prof. Masqueliers Forschung führte in Frankreich zu drei Gefäßschutzmedikamenten (Résivit, Flavan, Endotélon), die seit Jahrzehnten als Standardarzneimittel von Ärzten verschrieben werden. Zu ihren Indikationen zählen Lymphödeme, Venenschwäche (Erhöhung des Venentonus), diabetische Retinopathie, Krampfadern, Hämorrhoiden, schwere, schmerzende Beine, „restless legs“ und Kreislaufprobleme. OPC beschleunigt die Heilung von Wunden, Brüchen, Operationsnarben und Muskelverletzungen.[2]

In den 1980er Jahren entdeckten Prof. Masquelier und sein Team noch eine andere, weit reichende Wirkung: die antioxidative. OPC erwies sich als ein Antioxidans, das in der Wasserphase 18-mal stärker freie Sauerstoffradikale neutralisiert als das wasserlösliche Vitamin C und in der Fettphase sogar ein zwischen 40- und 50-mal stärkeres Antioxidans ist als das fettlösliche Vitamin E. OPC ist das stärkste bisher bekannte pflanzliche Antioxidans. Es gilt als das Kovitamin C (in Frankreich wird es auch Vitamin C2 genannt), da es die Wirkung von Vitamin C im Körper durch Reduktions-Oxidationsprozesse verzehnfacht. Vitamin C wiederum erhöht die Proteinaffinität von OPC. OPC und Vitamin C können aufgrund ihrer jeweils kleinen Moleküle sowohl die Rückenmark- als auch die Blut-Hirn-Schranke passieren.

Antioxidanzien sind Gegenspieler der freien Sauerstoffradikale. Diese oxidieren Zellfette aufgrund einer Kettenreaktion in hundert- bis tausendfacher Beschleunigung und lösen – je nachdem, an welcher Stelle im Körper die Kettenreaktion in Gang gesetzt wurde – unterschiedliche Krankheiten aus: Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes, Allergien, Rheuma, Alzheimer, Parkinson, Entzündungen u.a. (Freie Radikale entstehen durch Umweltgifte, Stress, Alkohol, Nikotin und Strahlenbelastung. )

Antioxidanzien neutralisieren Sauerstoffradikale und setzen den Kettenreaktionen ein Ende, so dass Krankheiten verhindert werden können. Von den vielen Patenten, die Prof. Masquelier über OPC erhielt, wurde ihm u.a. das Antiradikalen-Patent in den USA gewährt (US-Patent Nr. 4.698.360 vom 6.10.1987: „Plant Extract with a Proanthocyanidins Content as Therapeutic Agent having Radical Scavenging Effect and Use thereof.“) Diesem Patent zufolge liefert OPC „eine Methode zur Vorbeugung und Bekämpfung schädlicher biologischer Wirkungen von freien Radikalen im Organismus von Warmblütern, insbesondere von Menschen; namentlich zerebraler Involution, Hypoxie nach Atherosklerose, Herz- und Hirninfarkt, Tumorentwicklung, Entzündung, Ischämie, Veränderungen der Gelenkflüssigkeit, Kollagenabbau u.a. (...) Die Radikalfängerwirkung überwindet zwar nicht das Altern, ein in den Genen programmierter biologischer Prozess, doch kann sie verschiedene schädliche, durch ein Übermaß an freien Radikalen hervorgerufene Wirkungen des Alterns verhindern, abschwächen oder hemmen.“

Die Antiradikalenwirkung von OPC ist vielfach belegt.[3]

Uneinheitliche Begrifflichkeit bei OPC

Die sprachliche Uneinheitlichkeit ist einer der Gründe, warum die oligomeren Procyanidine sich als Kollagen schützende und als antioxidative Substanz nicht gleichwertig neben etwa Vitamin C durchgesetzt haben, obwohl sie weit stärkere Antiradikalenwirkung haben. Wissenschaftler auf der Suche nach den oligomeren Procyanidinen, zu denen das deutsche Chemikerpaar Rosenheim oder der Nobelpreisträger Albert Szent-Györgyi zählten, bezeichneten die gesuchte Substanz u.a. als „Leucocyan“. Neben „Pro(antho)cyanidine“ benutzte und prägte Prof. Masequelier den Begriff „Pycnogenol“. Diese Polyphenole mit flavanem Kern wurden auch „Chromogen“, „Anthocyan“, ungenau „Bioflavonoide“ oder „Traubenkernextrakt“ genannt. (Im Gegensatz zu den Flavanolen, OPC, sind die „Bioflavonoide“ schlecht oder nicht bioverfügbar, und der Begriff „Traubenkernextrakt“ sagt nichts über den OPC-Gehalt aus.) Hinzu kommt, dass die meisten der gut 200 Publikationen von Prof. Masquelier und seinen Teams über OPC in Frankreich in französischer Sprache erschienen, was die internationale Kenntnisnahme wie auch die Recherche erschwert.

Wissenschaftliche Akzeptanz wird behindert durch eine Vielzahl an Produkten im Bereich der Nahrungsergänzung, von denen die meisten keine eigenen wissenschaftlichen Studien beibringen können, was nach europäischem Recht für die Behauptung von Heilwirkungen jedoch nötig ist. So können die in Frankreich und anderswo z.B. mit dem Medikament Endotélon wissenschaftlich umfassend erforschten physiologischen Wirkungen von OPC nicht für Nahrungsergänzungsmittel beansprucht werden. Gleichwohl ist davon auszugehen, dass oligomere Procyanidine auch in anderen Zusammenhängen die in der Forschung nachgewiesenen Wirkungen entfalten, wie dies etwa für den OPC-Gehalt im Rotwein belegt wurde („französisches Paradox“).

 

[1] Marie-Claire Dumon: Recherches Analytiques sur les Pycnogenols; Thèse de Doctorat, 28 Juin 1990, Université de Bordeaux

[2] Lagrue, G., Olivier-Martin, F., Grillot A. : Etude des effets des oligomères du procyanidol sur la résistance capillaire dans l’hypertension artérielle et certaines néphropathies. Sem Hop Paris, 18-25 septembre, 1981

Laparra, J., Michaud, J. et Masquelier, J. : Etude pharmacocinétique des oligomères flavanoliques; Plantes médicinales et phytothérapie, 1977, Tome XI, no spécial, p. 1331-142

Masquelier, J., Dumon, J. et J. Dumas : Stabilisation du collagène par les oligomères procyanidoliques. Acta Therapeutica 7 (1981) pp. 101/105

Tixier, J.M., Godeau, G., Robert, A.M. and Hornebeck, W.: Evidence by in vivo and in vitro studies that binding of pycnogenols to elastin affects its rate of degradation by elastases. Laboratoire de Biochimie du Tissue Conjonctif, Université de Paris, 25 june 1984

Amsellem, M., Masson, J.M., Negui, B. et al: Endotélon dans le traitement des troubles veino-lymphatiques du syndrome prémenstruel. Etude multicentrique sur 165 patientes. Tempo Médical/no 282 - Novembre 1987

Arne, J.L.: Contribution à l’étude des oligomères procyanidoliques: Endotélon, dans la rétinopathie diabétique (à propos de 30 observations); Gaz. Med. de France 89, no 30 du 8-X-1982

Sarrat,  L.: Abord Thérapeutique des troubles fonctionnels des membres inférieurs par un microangioprotecteur l’Endotélon. Bordeaux Méd. 1981; 11: 685-8

[3] Uchida, Edamatsu, Hiramatsu, Mori, Nonaka, Nishioka, Niwa and Ozaki : Condensed tannins scavenge active oxygen free radicals. Med. Sci. Res. 1987; 15, 831-832

Rubanyi, Gabor M.: Vascular effects of oxygen-derived free radicals. Free Radical Biology & Medicine, Vol. 4, pp. 107-120, 1988

Masquelier, J.: Pycnogenols: Recent Advances in the Therapeutical Activity of Procyanidins. Natural Products as Medicinal Agents. Hippokrates Verlag Stuttgart, 1981, pp. 243-255

Masquelier, J.: Les procyanidols: des substances pour lutter contre les radicaux libres. Nutrition évolutive. No 11, 3e trimestre 1990, pp. 9-17

Masquelier, J. : Vortrag in Baltimore vom 18.10.1996, dt. Übersetzung in: Simons, A., Rucker, A.: Gesund länger leben durch OPC. Der natürliche Vitalstoff für das neue Jahrtausend“, MayaMedia, pp. 145-169

Frenkel, E.N., Kanner, J., German, J.B., Parks, E., Kinsella, J.E.: Inhibition of oxidation of human low-density lipoprotein by phenolic substances in red wine. The Lancet, Vol. 341; Feb 20, 1993

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MayaMedia

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