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Factencheck: Ist Amazon ein "Monopolist"?

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Faktencheck: Ist Amazon ein „Monopolist“?

Das Gesamtvolumen des deutschen Versandbuchhandels beträgt rd. 2 Mrd. Euro. Der Jahresumsatz von Amazon mit Büchern und Zeitschriften in Deutschland liegt bei 1,6 Mrd. Euro. Damit beträgt der Anteil von Amazon am deutschen Versandbuchhandel also rund 80%. (http://www.buchreport.de/nachrichten/handel/handel_nachricht/datum/2013/05/14/amazon-kontrolliert-drei-viertel-des-online-buchhandels.htm)

Das hört sich vielleicht bedrohlich an, und doch ist der vermeintliche „Gigant“ nicht mal ein Scheinriese auf dem deutschen Buchmarkt.

Der deutsche Gesamtbuchmarkt (stationärer und Versandbuchhandel) kommt nämlich auf 9,6 Mrd. Euro Jahresumsatz. (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/marktmacht-des-versandhaendlers-spielt-amazon-monopoly-1.1674038)

Demnach liegt der Anteil von Amazon am Gesamtbuchmarkt (1,6 Mrd. von 9,6 Mrd. Euro) bei einem Sechstel bzw., großzügig aufgerundet, bei ca. 17%.

Das bedeutet: 83% aller Bücher und Zeitschriften werden in Deutschland NICHT über Amazon, sondern (weit überwiegend) im niedergelassenen Buchhandel verkauft. Sei es bei den Filialisten Hugendubel, Thalia oder Weltbild oder bei den unabhängigen kleinen und mittelständischen Buchhandlungen, die es hierzulande nach wie vor in jedem Großstadtviertel und jeder Kleinstadt in beachtlicher Menge gibt.

Im stark regulierten deutschen Buchmarkt mit der gesetzlichen Preisbindung ist es so gut wie unmöglich, die Gesamtheit der Wettbewerber entscheidend zu schlagen, sich also zum Monopolisten aufzuschwingen. Alle Marktteilnehmer bieten nämlich im Prinzip die gleichen Güter zum gleichen Preis an. Aufgrund der exquisiten Logistik des deutschen Verlagsbuchhandels kann praktisch jedes lieferbare Buch via Barsortiment/Zwischenbuchhandel über Nacht noch in die kleinste und entlegenste Buchhandlung geliefert werden – also genauso schnell wie durch den schnellsten Versandhändler.

Die Marktteilnehmer können sich lediglich durch die Qualität ihrer Serviceangebote rund ums Buch voneinander abheben. Und auf diesem Gebiet ist Amazon in einigen Punkten nach wie vor deutlich besser als die Konkurrenz – allerdings auf Kosten der Marge, die im Verlagsbuchhandel sowieso notorisch schmal ist.

Zusammengefasst: Amazon ist auf dem vermeintlichen Triumphmarsch zur Nr. 1 auf dem deutschen Buchmarkt trotz massiver Anstrengungen bei einem Sechstel Marktanteil kleben geblieben. Tendenz: stagnierend oder sogar rückläufig (http://www.zeit.de/kultur/literatur/2014-06/buchhandel-amazon-kunden).

Ich stimme Tanja Kinkel zu, die den „Offenen Brief“ von mindestens 1100 Autoren (http://www.focus.de/kultur/buecher/medien-1100-autoren-protestieren-gegen-amazon-methoden_id_4065632.html). gleichfalls nicht unterschrieben hat und zur Begründung lapidar anmerkt: „Es gibt in Deutschland genügend Möglichkeiten, mit gleicher Geschwindigkeit und zum gleichen Preis Bücher zu kaufen, ohne auf Amazon zurückgreifen zu müssen.“ (http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/tanja-kinkel-offener-brief-zum-amazon-protest_285569)

Monopoly geht anders.

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